Deiak Cedric

Hinter dem heroischen Ideal: Patriarchat und Unterdrückung der Frau in der Odyssee

March 30, 2026

Die Odyssee begleitet den griechischen Helden Odysseus auf seiner Heimreise nach Ithaka nach dem Trojanischen Krieg. Sie stellt eine patriarchale Gesellschaft dar, in der Frauenfeindlichkeit als Normalität betrachtet wurde. Als antiker Text lässt sich die Odyssee auch als Quelle benutzen, um zu verstehen, wie die damalige patriarchale Herrschaft funktionierte und um die Rollen der Geschlechter besser zu verstehen.

Homer, der mutmassliche Verfasser der Odyssee

Die Textstelle, worauf ich meine Aussagen basieren möchte, lautet wie folgt:

"Du kennst ja die Haltung von Frauen: Jenen, mit denen sie das Lager teilen, schanzen sie möglichst viel zu - die Kinder aus früheren Verbindungen zählen dann nicht mehr viel." (S. 116, R. 13-15)

Das hatte Athene Telemachos gesagt, um ihm zu motivieren, nach Hause zu kommen. Damals war Telemachos noch zu Gast bei Menelaos, aber da Odysseus bald im Ithaka eintreffen würde, musste Athene Telemachos ein Zeichen geben, damit er sich beeilte und sich mit seinem Vater traf.

Aber wieso überbrachte ihm Athene genau diese Nachricht? Das Liebesleben seiner Mutter ging Telemachos nicht an, oder? Heute würde man diese Frage mit Nein beantworten, aber die damalige gesellschaftliche Situation sah komplett anders aus. Telemachos war der Sohn eines Königs und damit der direkte Nachfolger. Da sein Vater weg war, konnte niemand entscheiden wer als Thronfolger gelten wurde. Also musste Telemachos, um seinen Thron zu sichern, alle anderen möglichen Nachfolger beseitigen. Obwohl seine Mutter kein Recht auf den Thron beanspruchen konnte, blieb sie immer noch politisch gefärlich. Falls sie einen neuen Gatten fand, wurde er zum König und nur seine Kinder würden jetzt als mögliche Nachfolger gelten. Darum bereitete Telemachos die Nachricht, dass seine Mutter möglicherweise den Antrag von Eurymachos akzeptieren wird, so viel Sorge. Denn das wurde sein Thronrecht effektiv im Luft auslösen.

Athene, bedeutende feministiche Figur

Aus einer heutiger Sicht wirkt diese Situation fast absurd, aber damals war es ein grosses Thema. Ein Beispiel dafür wäre die Situation von Agamemnon, einem Gefährten von Odysseus, der nach Hause zurückgekehrt ist und von seine eigene Frau ermordet wurde. Dass er ihr direkt vertraut hat, wurde als gravierender Fehler bezeichnet, und damit wurden alle Frauen über einen Kamm geschoren - vorurteilsbehaftet als Lügnerinnen und als Menschen, denen man nicht trauen soll.

Diese Frauenfeindlichkeit ist überall in der Odyssee zu sehen, vor allem wenn man sich die Figuren anschaut. Fast alle Frauen die in der Odyssee auftauchen, werden als schwach oder unzuverlässig dargestellt, entweder durch ihre Taten oder durch die Worte des Autors. Ein Beispiel dafür ist meine gewählte Textstelle, die klar zeigt, was für eine Einstellung die damalige Geselschafft gegenüber Frauen hatte.

Diese Art patriarchaler Herrschaft war unglaublich instabil. Bruderkriege, Konkurrenz um den Thron und der Wille der Götter konnten eine politische Situation binnen Sekunden auf den Kopf stellen. Da es keine geschriebene Regeln gab, wie die Thronfolge genau funktionieren sollte, war die Anwendung der Gewalt oft der entscheidende Faktor. Wenn man die Erzählungen der Odyssee als Beispiele dafür nimmt, wie man richtig herrscht oder seine Macht wiederherstellt, dann war die Gewaltanwendung wohl das universelle Heilmittel gegen Verrat. Sie wird sogar direkt von göttlichen Figuren bestättigt, wie auf Seite 126, Reihen 14-16:

"Ich will dass ihr beide dem schändlichen Treiben der Freier endlich ein blutiges Ende setzt."

Ulysse et Télémaque tuent les prétendants, Thomas Degeorge, 1812

Die Frauenfiguren in diesem epischen Werk sind meistens da, um das Gefühl der Macht, das Odysseus aus damaligen Welteinstellungen demonstrierte, zu verstärken. Wenn man der Kirke gedenkt, war sie eigentlich eine sehr starke und eigenständige Frau, ein feministisches Symbol - bis sie von Hermes sabotiert wurde und sich dann den Willen des Odysseus unterwarf. Anderseits stellt Penelope das Beispiel einer "guten" Frau dar, da sie die ganze Zeit dem Odysseus treu blieb. Dass Odysseus mit so ziemlich allem, was er sah, schlief, fand hingegen niemand fehl am Platz.

Zusammenfassend zeigt die Odyssee deutlich, wie stark die damalige Gesellschaft von patriarchalen Vorstellungen geprägt war. Frauen werden häufig als unzuverlässig oder gefährlich dargestellt, während männliche Figuren Macht und Kontrolle verkörpern. Durch die Analyse solcher Textstellen lässt sich erkennen, wie sehr politische Macht, Familienstrukturen und Geschlechterrollen miteinander verbunden waren. Gerade deshalb ist die Odyssee nicht nur ein literarisches Werk, sondern auch eine wichtige historische Quelle, die uns hilft, die Werte und Denkweisen der antiken griechischen Gesellschaft besser zu verstehen.

Quellen (Bilder): https://unsplash.com und https://www.wikipedia.org